Welch eine Rarität: Das journalistische Porträt der Kanzlerin überzeugt durch Kunst

[…]Das ästhetisch Außergewöhnliche dieses inhaltlich ausgewogenen und unaufgeregt informierenden Filmporträts über die Kanzlerin entfaltet und verdichtet sich sofort – nach gut einer Minute haben die Autoren, die Kamera- und Tonleute, Schnitt und Grafik, bereits gezeigt, was sie können und was möglich ist an Kunstfertigkeit angesichts einer journalistischen, im Grunde also kunstfernen Aufgabe. Sogleich aber wird auch klar – genauer: hörbar -, wer in dieser Dokumentation die artistische Hauptrolle spielt: es ist, erstaunlich genug, die Musik von Tobias Bösel und Siegfried Rolletter.

Die beiden stets gemeinsam arbeitenden und bereits mehrfach preisgekrönten Filmkomponisten sind in ihrer Branche beileibe keine Unbekannten mehr – allein in diesem Jahr prägte ihre Musik fünf durchaus aufwendige ZDF-Produktionen zumindest mit, darunter den Dreiteiler „Die Windsors“ und ein zweiteiliges Reisefeature über die Arktis zur besten Sendezeit. Mit der Arbeit für „Die Kanzlerin – Angela Merkel“ aber gelingt ihnen nun etwas überaus Verblüffendes: Sie dienen dem Film, indem sie dessen Atmosphäre bar jeder Aufdringlichkeit, im Ergebnis jedoch auf ganz eindeutige Weise dominieren. Das glückt dank eines leitmotivisch aus wenigen Klaviertönen bestehenden Minimalismus, zu dem sich alsbald sparsame Orchestrierung gesellt. Just diese an sich recht simple Kombination erzeugt eine völlig paradoxe, gerade deshalb so markante Wirkung: Sie beschert diesem Film fünfundvierzig Minuten lang einen gleichsam symphonischen Sound. […]

Hier die komplette Pressemeldung zum Download als PDF

FAZ/Frankfurter Allgemeine Zeitung, Do 10. September 2009, S. 37
Rubrik: Feuilleton, Medien
Autor: JOCHEN HIEBER